Vorweg:
Ich kann nur für mich und aus meiner Perspektive sprechen. Diese Abläufe haben sehr viel mit Persönlichkeit, Vorlieben, der Art des Contents, der Art der Zuschauerschaft, etc, etc zu tun. Und da gibt es, glaube ich, kein allgemein gültiges Rezept, dass einmal erstellt und das dann für alle Kanäle immer angewandt werden kann. Vermutlich wird es selbst bei den meisten Kanälen nicht ausreichen, nur ein Konzept zu nutzen, sondern es wird ratsam sein, mal so und mal ganz anders vorzugehen.
Zur ersten Frage:
Ich hab mich da im Laufe der Zeit entwickelt. Angefangen mit Videos ganz ohne irgendwelches Voice-over, über völlig frei quatschen, hin zu Stichpunkten und heute hab ich meistens ganz exakte Scripte von 2000 bis 3500 Worten. Und an diesen Texten habe ich meistens mehrere Tage gefeilt, inklusive Rechtschreibkontrolle und sie von 1 bis 2 anderen Probelesen lassen. Das sind dann halt eher Aufsätze/Abhandlungen/Artikel, je nachdem wie man das nennen möchte. Meistens veröffentliche ich aber auch diese Texte gleichzeitig noch als Artikel auf meiner Webseite, so dass die vermehrte Arbeit am Text sich doppelt "auszahlt". Nach Recherche, Material-Sammlung und erstem Vorschreiben, habe ich aber auch oft bereits 4000+ Worte und stampfe die dann noch etwas ein, um die Doppelungen und unwichtigeren Dinge wegzulassen.
Allerdings hat sich dabei auch der Stil meiner Videos extrem geändert. Und so, wie ich das mache, würde das für sehr viele Themenbereiche nicht passend sein. Obendrein bedeutet das für mich, dass ich sehr oft 10-20 Stunden an einem Video sitze, mit SEO, Recherche, Aufnahmen, Editing, Thumbnail Planung und Erstellung von verschiedenen Alternativen oft auch noch einiges mehr.
In der früheren Zeit habe ich in den Videos mit freiem Sprechen oft längere Pausen gehabt, auch bei Stichpunkten kam es dann oft noch dazu. Heute hab ich zum einen sehr viel kompakteren Content, vielleicht sogar für manchen schon zu kompakt, aber kann halt nicht für jeden passen. Aber Aufruf-Zahlen und average Watchtime haben sich bei mir langfristig gebessert mit voll gescriptetem Content.
Vermutlich haben meine früheren Videos eine andere Zuschauerschaft angesprochen. Vermutlich gefallen einigen Zuschauern von früher meine heutigen Videos nicht mehr so gut. Aber dafür hab ich andere Zuschauer, bei denen es genau umgekehrt ist.
Aber welche Art von Herangehensweise empfehlenswert ist, liegt halt auch sehr stark an der Art des Contents. Unterhaltung oder lockere Quatsch-Themen gehen wohl besser mit freiem Sprechen und improvisieren. Wenn man vor der Kamera agiert, sind Stichpunkte wohl meistens besser, besonders wenn man noch nicht so geübt ist und sich ausgearbeitete Sätze halt wirklich stark anders anhören, und auch auf die Interaktion vor der Kamera auswirken. Bei sachlichen Texten, ohne "Talking Head" Video-Style, bietet sich eine strukturierte Vorgehensweise mit exakten Texten an, aber auch nur, wenn man geübter damit ist, diese Texte einzusprechen und dabei nicht völlig hölzern klingt.
Zur zweiten Frage:
Früher hab ich täglich hochgeladen, selten mal Ausnahmen gemacht. Davon bin ich aber durch die Veränderung meines Video-Stils völlig weg. Bei diesem gesteigerten Zeitaufwand pro Video ist das halt unmöglich zu leisten. Heute habe Ich keine festen Upload-Tage. Oft vergehen 1-2 Wochen zwischen den Videos und hochgeladen wird, "when it's done". Ich variiere dann höchstens noch die Uhrzeiten, damit es in der Woche möglichst so zwischen 16 und 20 Uhr online gehen kann, am Wochenende darf es auch mal Mittags werden. Da versuche ich Zeiten zu treffen, wo voraussichtlich relativ viele Leute online sein werden, wenn mein Video online geht.
Feste Upload-Zeiten haben für mich auch immer Stress bedeutet. "Du musst jetzt noch schnell was fertig machen, in 4 Stunden ist Video-Zeit" oder in der milderen Form "Du brauchst noch 3 Videos bis zum Wochenende". Das war immer ein gewisser Druck, den ich selbst auf mich ausgeübt habe. Und der war weder für mein Wohlbefinden gut, noch für die Qualität meines Contents.
Ob das die richtige Vorgehensweise ist oder nicht, das hängt aber ebenfalls sehr, sehr stark vom Content und von der Art ab, wie der Kanal funktioniert. Ich hab zum Beispiel eine sehr hohe Suchquote und mittlerweile auch die etwas glückliche Position, dass ich zu vielen Themen wirklich ins Ranking kommen kann. Dadurch bin ich weniger darauf angewiesen, dass ich eine Community aufbaue, die dann schnell meine Videos schaut, ehe sie in Vergessenheit geraten. Da drehen sich die Videos halt nicht um mich, sondern um ganz genau definierte Themenbereiche, Leute suchen danach, schauen rein, gehen wieder. Manche abonnieren und schauen mehrere Videos, sehr viele schauen nur ein einziges Video, aber dafür ist die gesamte Menge der verschiedenen Zuschauer halt auch größer.
Wenn man einen Kanal mehr auf "Personality" und rund um das "Wer bin ich" aufbaut, oder mehr eine Art von Serie aufbaut, wo die Leute die Entwicklung einer Sache oder einer Geschichte verfolgen, dann sieht das ganz anders aus. Dann sind längere Upload-Pausen eher nicht so gut, weil die Leute einen zwischendurch vergessen. Da ist zumindest eine grobe Regelmäßigkeit hilfreich.
Vermutlich ist täglich heute eher schädlich als hilfreich. Und ganz feste Uhrzeiten sind auch eher unnötig, denke ich. Aber bei einem Kanal rund um eine Person, sollten es wohl schon 2-3 Videos pro Woche werden, damit die Leute mehrere Videos schauen, weil sonst zum einen schneller ein Punkt kommt, an dem sie einen vergessen und zum anderen auch bei YouTube die Menge an "Vorschlägen", die in der Zwischenzeit aufgelaufen sind, viel größer wird, und damit die Chance etwas sinkt, dass das eigene Video vorgeschlagen wird.
ABER:
Gerade am Anfang ist Übung für einen Creator ein Riesenfaktor. Und da ist es einfach so, dass jedes neue Video einem mehr Erfahrung bringt, mehr Sicherheit beim Sprechen, und auch viele andere Dinge einfach flüssiger werden. Und daher würde ich einem jungen Kanal eher empfehlen, produziert so viel Ihr könnt. Haut die Videos raus und lernt. Denn nur wer Videos macht, kann dabei besser werden. Perfektionismus kann einen auch behindern und aufhalten, und im schlimmsten Fall auch davon abhalten, überhaupt zu veröffentlichen.
Und vermutlich kann man aus 20 schlechten oder mittelmäßigen Videos, die man wirklich rausgebracht hat, weitaus mehr lernen, als würde man in der gleichen Zeit nur 1-2 Videos fertig bekommen. Die würden dann vielleicht minimal besser sein, aber der Lerneffekt wäre wohl sehr viel geringer.
Auch später sollte man das Veröffentlichen nicht vernachlässigen. Wenn man zu lange Pausen macht, bauen sich eventuell Blockaden auf, die Selbstsicherheit geht zurück, der verinnerlichte Ablauf für die Produktion gerät in Vergessenheit, etc. Also ich würde da als absolute Untergrenze schon 1-2 Videos pro Monat ansetzen, zumindest für mich selbst. Damit ich nicht zu sehr aus der Sache an sich heraus gerate.
Zu der Airline vs. private Schule Problematik:
Ich glaube, da wäre es am besten, wenn Du es irgendwie hinbekommen könntest, beide Aspekte in einem Video jeweils unterzubringen, wenn Du das denn leisten kannst. Weil vermutlich wirst Du selbst nur eines von beiden absolvieren, oder? Und falls das so ist, wäre es auch komisch, wenn Du über das andere sprichst, es aber selbst gar nicht machst. Denn dann wird klar, dass Du entweder Apple oder Android bist, und Du auch nur eines von beidem vertreten kannst, weil Du das andere gar nicht wirklich kennst, oder sehe ich das falsch?