(Anmerkung: folgendes ist meine persönliche Meinung und stellt nicht zwingend die Meinung dieses Portals dar)
Grundlegend zwei Dinge, die man hier mal trennen und unterscheiden muss. Das wird teilweise stark vermischt oder sogar teilweise als das Gleiche hingestellt, es sind aber eigentlich zwei total unterschiedliche Paar Schuhe. Demonetarisierung wegen politischer Inhalte und Strikes wegen Copyright geschütztem Material haben absolut nichts miteinander zu tun.
Copyright geschütztes Material bringt Probleme mit der Existenz des ganzen Kanals, Politische Themen nur in absoluten Extremfällen.
Politische Themen können einzelne Videos demonetarisieren, wenn man ansonsten generell Geld mit seinem Kanal verdient. Dies gefährdet aber die Existenz des Kanals nicht und auch nicht die der Videos, außer es geht wirklich ganz massiv in Richtung Hetze gegen Minderheiten, Verletzung von Kinderrechten, oder ähnliche oder sogar noch dreckigere Sachen. Hier darf man sehr, sehr viel veröffentlichen, man darf halt nur nicht erwarten, dass man mit allen Inhalten durch Werbung Geld verdienen darf.
Der Bereich Copyright Strikes wird sehr, sehr strikt gehalten. Was auch absolut richtig ist und wer Content von anderen hochlädt und für seinen eigenen ausgibt, der hat halt Probleme zu erwarten. Darum dreht sich ja auch Artikel 13, und YouTube ist hier bereits sehr gut aufgestellt im Gegensatz zu 98% des Rests des Internets. Verstöße gegen die Copyright Gesetze sind halt keine Kavaliersdelikte, da geht es schnell mal um Klagen wegen größeren Geldsummen.
Diese beiden Themen haben absolut nicht miteinander zu tun.
Demonetarisierung heißt ja nur, dass man nicht alle Arten von Werbung auf diesem Content zeigen kann. Das heißt nicht mal, dass man keine Werbung schalten kann. Da muß man halt auch verstehen, wenn eine Firma Geld für Werbung ausgibt, hat sie auch das Recht zu bestimmten, wo diese Werbung angezeigt wird.
Außerdem gibt es weitere Möglichkeiten der Monetarisierung, an denen YT derzeit arbeitet abseits von Werbung und Freischaltung zur Monetarisierung. Da gibt es neue Sachen, wie zB Membership, wo Leute monatlich Geld an deinen Kanal überweisen können um dich zu unterstützen; oder Merch-Verkauf, was gerade nach und nach auch in Europa freigeschaltet wird, und durch YouTube Premium verdienen auch demonetarisierte Videos Geld.
Es gibt aber bisher nur ganz ultra wenige Kanäle, die wegen ihrer politischen Inhalte gelöscht wurden. Es gibt keine "10 demonetarisierte Videos bringen die Löschung" Regeln. Du kannst 100e politische Videos hochladen, YouTube verteilt die auch ganz artig und ungefiltert, solange halt nicht gegen oben genannte Extrem-Extremausnahmen verstoßen wird. Es wird halt nur keine Werbung drauf geschaltet.
Es gibt halt ein weites Feld zwischen "stänkern", "hetzen", "Fake News" und "Extermer politischer Hetze" und da ist auch abseits von YouTube einiges davon im Presserecht verboten. Man darf auch in Zeitungen nicht extrem Falsche, persönlich verletzende oder andere Inhalte veröffentlichen, die Recht und Gesetz brechen. Das hat gar nicht wirklich viel mit YouTube zu tun. Und jeder Staat hat da unterschiedlich starke Verbote, um gegen den Staat zu protestieren.
YouTube muss aber zusehen, dass sie weltweit veröffentlichen, und was sie da im internationalen Umfeld dürfen und was nicht. Und hier entstehen teilweise Probleme für einige politischen Inhalte. Weil eben Dinge, die in DE erlaubt sein können, trotzdem in manch anderem Land gegen Recht und Gesetz verstossen können. Mit internationalen Veröffentlichungen, damit hat man es bei YT halt zu tun, muss man auch konform der internationalen Gesetze agieren.
Und ganz klar sollte sein, es gibt Unterdrücker-Staaten auf dieser Welt, leider wieder mehr als noch vor 10-20 Jahren, und dies hat auch was mit Internet zu tun. Denn viele dieser Unterdrücker Systeme wurden gerade erst durch das Internet so stark propagiert, dass sie eigentlich dadurch erst an die Macht kamen. Es gibt unterschiedlichste Grade von freiheitlichen Rechten in allen Staaten der Welt. Das war schon immer ein Problem für die Menschen, die in den Ländern mit eingeschränkten Rechten gelebt haben, nicht erst heute.
Man kann nun aber nicht von YouTube erwarten, dass sie dieses Problem mal eben in wenigen Jahren weltweit lösen, damit Content Creator mehr Videos freigeschaltet bekommen und eventuell anonym gegen geltendes lokales Recht unter dem Schutz von YouTube verstossen dürfen. Wer das erwartet, muss glaub ich aus seinem Traum langsam aufwachen. YouTube kann keine Freiheitsrechte in Unterdrücker-Staaten durchsetzen, und hier sind die Grenzen fliessend weltweit. Meinungsfreiheit ist weltweit in jedem einzelnen Staat völlig anders geregelt.
Und damit kommen wir über Umwege wieder zu der Sache mit dem Account, denn in den meisten Staaten, auch in denen mit dem weitreichendsten Meinungsfreiheiten, wie zB Deutschland, muss man mit seinem realen Namen für Veröffentlichungen einstehen. Darum muss man in Deutschland zB auf Flyer und Plakate unten so einen Satz "V.i.s.d.P" einfügen, wo man eine reale Person oder einen eigentragenen Verein eintragen muss. "Verantwortlich im Sinne des Presserechts" heißt diese Abkürzung. Und das ist rechtlich vorgeschrieben, damit das Gericht im Falle einer Klage feststellen kann, wer diese Veröffentlichung gemacht hat, die eventuell gegen Versammlungsverbote verstößt, gegen Persönlichkeitsrechte, Anklagen erhält wegen Verleumdung, und was man da noch so alles um die Ohren gehauen bekommen kann für seine "Meinung". Und hier ist auch bei YouTube kein völlig anonymes Veröffentlichen garantiert. Wenn Anzeigen reinkommen gegen Content, kann YouTube entweder diese Daten, falls vorhanden weitergeben (müssen sie) und Content evtl löschen, oder wenn keine realen Daten dahinter stehen, müssen sie halt direkt löschen.
Und nirgendwo steht, dass einen YouTube Kanal betreiben zu dürfen ein Menschenrecht ist. Vielleicht ist das ein Gedanke, über den man nachdenken kann, aber gesetzlich ist in keinem Land der Welt ein entsprechender Paragraph bisher existent. YouTube hat also Hausrecht, bei der Beurteilung ob ein Kanal auf der Plattform existieren darf oder nicht. Sie sind da eigentlich im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten schon sehr kulant, aber "Recht auf Meinungsäußerung" beinhaltet in keinem Land der Welt "Die Pflicht die Meinung anderer weltweit bekannt zu machen" für Presse- und Content Firmen. Wenn Du einen Artikel schreibst und an die Welt oder die New York Times schickst, dann können die den drucken, aber sie sind nicht verpflichtet, dies zu tun.
tl;dr:
Man darf politische Themen auf YouTube posten, zumindest solange man sich an Recht und Gesetz hält. Man darf halt nur nicht erwarten, dass man damit auch gleichzeitig uneingeschränkt Werbe-Geld verdienen darf. Aber YouTube arbeitet ganz gezielt daran zZ auch demonetarisierten Videos Einnahme-Möglichkeiten zu verschaffen. Sie müssen sich aber auch trotzdem weltweit um alle lokalen Gesetze kümmern und diese einhalten, YouTube kann keine Gesetze ignorieren.