Ich sag nur: Pong sieht heute auch nicht mehr soooo cool aus, wie in dem Moment, als ich es das erste mal sah. Und auch PacMan hat sich ziemlich abgenutzt.
Aber manche Spielprinzipien sind einfach so gut, dass sie überdauern. So ist zum Beispiel das Spielprinzip von Little Computer People, eines meiner ersten C64 Spiele, das ich total gesuchtet habe, heute immer noch extrem populär, heißt halt nur Sims. Und auch von Tetris sind gerade wieder mehrere Ableger herausgekommen, die sehr populär sind. Es gibt also Prinzipien, die vermutlich ewig bleiben. Auch Schach ist nie richtig langweilig geworden, und Skat oder Uno spielen die Leute heute auch noch immer wieder.
Aber ich weiß, was Du meinst, fast immer wenn ich einen alten Klassiker meine herausholen zu müssen, weil ich den früher total gut fand, bin ich in dem Moment, indem das Spiel startet total enttäuscht. Die meisten Games haben sich nicht nur Grafikmäßig überholt. Durch mehr Rechenzeit, stetige Weiterentwicklung und gegenseitiges voneinander Lernen der Studios haben sich auch neben der Grafik einfach viele, viele Dinge in den Spielen verbessert, UI Design, Gegner-KI, Story-Telling, Level-Design Möglichkeiten. Vieles was in heutigen Spielen total normal ist, war damals nicht möglich oder zumindest hatte sich das noch keiner ausgedacht. Und damit sind aus heutiger Sicht einfach viele Spiele von damals, wenn man sie mit der Erfahrung von heute anschaut, strunz langweilig und dumpf. Damals war es gut, weil man nichts anderes kannte, aber heute halt nicht mehr. Daher, die Spiele werden auf jeden Fall älter und nutzen sich ab, denk ich.
ICh hab mir daher an irgendeinem Punkt vorgenommen, einfach die alten Klassiker ruhen zu lassen, weil man sich mit dem rauskramen und noch mal reinschauen oft die Erinnerungen daran kaputt macht. Lieber den Gedanken im Kopf behalten, "das war mal ein gutes Spiel früher", als es wirklich wieder starten und dann mit Langeweile und "ups, den komischen Kram fand ich früher mal gut?" Gefühlen, die netten Erinnerungen zu übertünchen. Das sehe ich mit Musik und Filmen, Büchern, etc ganz genauso.
Ein Problem was viele Menschen haben, ist dass sie sich die Vergangenheit besonders schön hinstellen und irgendwann auf diese "Früher war alles besser"-Schiene kommen und wehmütig in die Vergangenheit schauen und anfangen sich mehr mit der Vergangenheit und zu wenig mit der Gegenwart zu beschäftigen. Schlimmer Fehler, denn durch das viele Beschäftigen mit der Vergangenheit verbringt nicht genug Zeit mit aktuellen Fragen, Problemen und aktueller UNterhaltung, und dann wird man abgehängt, verliert den Anschluß und versteht nicht mehr, was um einen herum passiert. Und dann, wenn man sich darin verfängt, dann wird man RICHTIG ALT. Sich mit jüngeren zu unterhalten wird dann mehr und mehr immer schwieriger, da die Themen sich einfach total auseinander dividieren und irgendwann kaum noch Überlappungen haben.
Die Vergangenheit ruhen lassen, bereit sein für neues, sich immer noch auf die Zukunft freuen, das find ich besser. Jetzt hier und heute findet das Leben statt. Bin 45 btw., freu mich aber immer, wenn mich Leute bei meiner Arbeit mit "junger Mann" anreden, von denen ich weiß, dass sie eigentlich jünger sind als ich oder ähnlich alt 