Die Chroniken von Inahar

    Hallo liebe Gemeinde,
    ich schreibe heute hier um ein weiteres Steckenpferd (ich glaube ich mache alles mal irgendwie - und alles nur halb-so-gut :D ) von mir zu präsentieren. Ich schreibe derzeit an einem Fantasy-Roman.

    Es handelt sich bei den "Chroniken von Inahar" um ein als mehrteilige Reihe konzipiertes Buchprojekt. Obwohl es in einer fiktiven Welt stattfindet stehen im ersten Band vor allem
    menschliche Beziehungen im Vordergrund und werden mit einer Prise Fantastik gewürzt um die Reihe aufzubauen. Es handelt um zwei Jungen, die unterschiedlicher nicht seien könnten
    und doch als beste Freunde in einem liebevollen kleinen Örtchen aufwachsen. Während Sie die Welt um sich herum nur durch die Lehrstunden Ihres erfahrenen Lehrmeister
    kennenlernen sind anderen Fraktionen dabei, das politische Gefüge der spielenden Welt durcheinander zu bringen bis auch das kleine Dörfchen der beiden Protagonisten Spielball dieser politischen Machsenschaften wird
    und das Leben beider verändert. Auf Lange Sicht soll hier eine Trennung der beiden Freunde erfolgen und eine ganz konträre Entwicklung. So werden sowohl die Seiten einer Rebellion als auch die der
    Regierung beleuchtet und schlussendlich im Rahmen der beiden Protagonisten zum Höhepüunkt geführt. Der erste Band bildet hierbei den Auftakt einer Reihe, die unterschiedliche Charaktere hervorbringt,
    die durch Witz, Charme und Perönlichkeit überzeugen sollen.

    Hierbei würde mich vor allem die Meinung von außenstehenden Interessieren.

    Ist die Story strukturiert und verständlich?

    Agieren die Figuren nachvollziehbar?

    Unterhalten Plot und Akteure?



    Wenn dies vom Forum gestattet ist würde ich gerne ab und an die geschriebenen Kapitel hier hochladen und etwas Feedback direkt im Forum oder per PN erfragen. Das würde mir wirklich helfen. Sofern dies mit den Forenregeln nicht konform geht würde ich mich über einige Querleser freuen, die etwas "Zeit opfern" :D

    Ich danke schonmal allen die bis hier gelesen haben :D
    • 00

    Vor einem Moment

    Hej Du

    Vielleicht hilft dir das weiter:
    Soooo ich bin so frei und lass einfach den Anfang hier erscheinen. Ich nehme geren Kritik und Feedback jeglicher Form entgegen. Gerne auch als PN (um den Thread hier nicht zu überfluten sondern auf die Geschichte zu konzentrieren) oder im Extra-Bereich :D Vielen Dank!

    Chroniken von Inahar


    Band 1
    -1. Buch-
    Es wartet eine neue Welt auf dich,
    nach jedem Sonnenaufgang,
    hinter jedem Horizont,
    einem leisen Echo gleich

    Unausweichlich betrittst du sie,
    mit jedem Schritt,
    mit jedem Atemzug,
    mit jedem Tag, der verstreicht

    Was hinter dir liegt,
    lasse zurück,
    lass Erinnerung werden,
    wie leuchtende Sterne in der Nacht

    Was dich erwartet,
    behalte im Blick,
    begrüße mit Freude
    als wäre es das letzte Mal

    Fürchte nicht das Fremde,
    erlebe es,
    auf das es dich weiter und weiter trägt
    in die neue Welt.


    ~Vorspiel~

    Manche Lebensabende fügen sich so, dass man allein in seinem Kämmerlein sitzt, ein Glas Jinarischen Weines zwischen den Fingern dreht und das duftende Aroma der würzigen Aneas-Traube in seine Nüstern zieht. Man denkt über sein Leben nach, die Wahrheiten, die man hinterlässt, die Lügen die einem nachhallen und wiegt das Für und Wieder ab. War es ein gutes Leben? Manch einer mag sich für den größten aller Dichter halten und sein Leben in den letzten Stunden in allen Facetten zu Papier bringen. Vor dem prasselnden Feuer eines Kamins, der mehr der Atmosphäre dient als der tatsächlich spendenden Wärme, müht man sich ab, seine Vergangenheit für eine Zukunft niederzuschreiben. Zu dem Zweck, nach vorne zu schauen und nicht zurück. Nicht selten sitzt man dann in Yordans Reich, blickt hinab ins Reich des Sterbens und merkt, welch Nichtigkeiten man doch den Lebenden hinterließ. Dann jedoch wird einem klar, dass es nicht die eigene Geschichte ist, die für die Vergessenden unvergessen gemacht werden muss – es ist die Geschichte eines jeden einzelnen, die es zu hinterlassen gilt.

    Ich kniete pflichtbewusst vor dem Thron des Königs nieder, dessen Anblick nun meinem Willen zum Abschied nicht mehr im Geringsten zu berühren vermochte. Zu lange diente ich einem anderen Herrn, sodass mein Lebensabend nun mir alleine gehört. Und so tat ich das, was ich am besten konnte und mein Leben seit jeher prägte: ich erzählte Geschichten.
    „Nun, Meister Haloc Ohneson, wir sind noch weit entfernt vom Ziel und mich betrübt die Zeit, die wir warten müssen.“
    Ich hob meinen Kopf und heuchelte die Treue, die jeder König auf jedem Thron gern hörte. Wie ein Schauspieler auf seiner Bühne mühte ich meine müden Knie, mich groß zu machen und breitete die Arme weit aus. Ich blickte jedem im Saal direkt in die Augen, spürte in jedem den Drang und die Ungeduld, was für eine Geschichte Haloc, der Chronist, der Diener vieler Herren, wohl zu berichten vermochte. Meine Stimme hat von Ihrer Kraft nichts eingebüßt, mein Körper war vom Alter gezeichnet, aber meine Stimme und meine Hände waren mein Kapital und standen in derselben Blüte wie einst vor 70 Jahren. Und so drehte ich mich bedeutungsvoll unter dem rauen Atem der staunenden Beobachter und neigte meinen Kopf dem Thron entgegen. Jener welcher ihn in diesem Moment besaß rieb sich die Hände und konnte ein leichtes Grinsen nicht unterdrücken.
    Der Thron in der Bellefemme, dem Stolz der Abastianischen Luftschiffflotte, hatte ebenso viele Hintern gespürt wie sein Bruder weit unter uns im Palast der Hauptstadt. Und zumindest ebenso viele werden noch folgen. Wen kümmert es noch wer sich momentan in seinen Stoff drückt?
    Ich musste unweigerlich lächeln und schüttelte den Kopf, hob aber sofort die Hand um den Umstehenden zu zeigen, dass lediglich meine eigenen Gedanken mir Freude bereiteten. Diese Geschichtewürden sie zu hören bekommen.
    „Nun denn, nach was gelüstet es denn euch zu hören, mein Herr?“ Ich verbeugte mich tief und ließ dem König Raum zu denken, obwohl ich bereits den ersten Vers meiner Erzählung auf den Lippen hatte. Es gab in meinem Leben nur die eine Geschichte, jene die mir immer im Herzen brannte und die ich für meine letzten Stunden stets bereithielt. Es gab nur die eine Erzählung, die ich in all ihren Facetten geheim hielt, bis ich sie nicht länger tragen konnte. Ich würde sterben noch vor Ende der Reise. Das spüre ich seit einiger Zeit schon, aber was für ein Chronist wäre ich, wenn ich die wichtigste und größte aller Geschichten mit unter die Decke ziehe, die mich beim letzten Atem warm halten wird? Die Zeit war gekommen, das Publikum perfekt und so fügte sich doch alles dem Ende entgegen.
    „Erzählt mir eureGeschichte Haloc.“, unterbrach der junge König meine Gedanken.
    „Ihr dientet meinem Vater und dem König vor ihm und wer weiß wie vielen Herren noch; euer Leben muss einige Weisheiten bereithalten.“
    Ich grinste leicht, aber nur so, dass nur mein eigener Schatten es hätte bemerken können. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber im Endeffekt waren die Worte des Thronsitzers bedeutungslos gewesen.
    „Das werde ich mein Herr, ich erzähle euch meine Geschichte und es wird auch die Eure sein. Es wird die Geschichte eines jeden hier im Raum.“ Ich drehte mich nochmals um meine eigene Achse und zeigte mit meinen straffen Fingern einmal in die Runde.
    „Ich erzähle euch die Geschichte unserer Nation – Ihre Geburt, wie es wirklich war. Ich berichte euch von Freundschaft und Hass, von Liebe und Intrige, von Mut und Verzweiflung und vom kostbaren Gut des Lebens. Es ist die Geschichte einer vergessenen Vergangenheit, beschönigt und gerade gerückt für diejenigen, die sie nicht hören wollten. Ich habe mein Leben zu Ende gelebt und hinterlasse euch diese Geschichte als mein Vermächtnis.“
    Der angehaltene Atem drang wie ein lauter Hammerschlag an mein Ohr. Weit aufgerissene Augen durchdrangen jede Faser meines alten Körpers. Der heutige König wackelte auf seinem Thron und schrumpfte zusammen wie ein kleiner Junge.
    „Nun.“, sagte ich im Flüsterton, „Ich beginne dort wo eine gute Geschichte beginnen sollte – am Anfang.“


    ~Prolog~

    Manch eine Geschichte findet Ihren Anfang in unvermittelter Art und Weise. Mit einem spannenden Eingang, der den geneigten Zuhörer sofort in das Geschehen zieht. Eine andere beginnt ruhig und besonnen. Der Betrachter wird in Sicherheit gewogen, lernt die dargebotenen Helden kennen und lieben und wird umso mehr gefesselt von den emotionalen Ereignissen auf dem Höhepunkt. Manchmal jedoch – und gerade dann, wenn es zu einem zentralen Thema der Geschichte gehört – muss die Geschichte mit dem beginnen, womit sie auch aufhören wird.
    Mit dem Bösen.
    Und so begab es sich, dass in einem dunklen düsteren Raum, eine Gestalt, verhüllt in tiefem schwarz, umhangen mit einem Mantel dunkler als die schattigste Ecke der sonnenlosesten Kammer, vor einem Tisch saß und darauf ausgebreitet ein Karte. Auf der Karte befanden sich Figuren aus weißem Gestein gehauen und mit verschiedensten Symbolen verziert. Feucht tropfte kühle Nässe aus den Rillen und Rissen der Mauer auf das Pergament der Karte und auf das Holz der Bodendielen.
    Die Gestalt atmete tief, die Kapuze des Umhangs blähte sich leicht unter den schweren Zügen, die seine Lunge tat. Seine Hände ruhten sanft an den Kanten des Tisches, an denen die Karte endete und dennoch ächzte das Holz als würde eine schwere Last auf ihm ruhen. Das Flackern einer Kerze, halb zu Boden niedergebrannt, umhüllte die Gestalt und warf die engen Wände der Kammer in ein bedrohlich-rötliches Leuchten und knisterte hörbar wie der prasselnde Kamin einer Jagdgesellschaft.
    Plötzlich setzte eine endlose Stille ein. Keine Stille wie man sie sich vorzustellen vermag. Nicht wie das Rauschen von Blättern im Wind das allmählich erstirbt. Nicht wie das hilflose Gekreische eines Schweins auf der Schlachtbank, bis ein Schnitt die Kehle durchtrennt. Nein viel mehr erstarb jegliches Geräusch in dem kleinen Zimmer, als würde alles nur auf die folgenden Worte warten, die gleich kommen mögen. Oder aber vielleicht auch so, als würde es Angst haben die Gedanken, die unausgesprochen bleiben, zu stören. So also verstummte das Tropfen des kalten Wassers aus dem leblosen Stein. So also bemühte sich das Holz des Tisches unter der Last der tätigen Hände nicht zu ächzen. So also verpuffte das Knistern der Kerze zu einem stummen Zischen, behielt das gemächliche Flackern aber aus Pflichtgefühl bei. Und selbst der Atem der verhüllten Gestalt verstummte, denn er musste der Stimme Platz schaffen.
    „Die Figuren sind gesetzt!“, die Gestalt löste die rechte Hand vom Holz des Tisches und man konnte beinahe hören, wie dieses erleichtert aufseufzte, würde es sich denn trauen, ein Geräusch zu machen.
    „Mistar wird dein sein, mein Herr!“
    Die rechte Hand schwebte formlos über die Landkarte des östlichsten Kontinents von Inahar.
    „Drei Reiche, vereint, wie einst. Drei Reiche von Blut gezeichnet, in Blut ertränkt und aus Blut wieder auferstanden.“
    Die Hand der Gestalt ließ den Zeigefinger über drei Punkte auf der Karte wandern. Dabei berührte sie die weiße Figur mit dem roten Symbol, die auf der nördlichsten Stelle der Karte stand.
    „Acheron, Abas und Keade. Drei Brüder, drei Feinde und dasselbe Schicksal. Da wo sie versagten, werde ich euch stützen.“
    Weitere kleinere Figuren standen überall auf der Karte verstreut. Sie alle waren schwarz bemalt mit einem weißen Fleck auf der Brust.
    „Es ist alles vorbereitet. Alles bereit für ein glorreiches Ende. Und die Figuren bewegen sich auf ihr Schicksal zu.“
    Die Gestalt löste auch die linke Hand vom Holz des Tisches und ließ beide in gleichsamen Bewegungen über die Karte fliegen, wobei sie einem einstudiertem Muster zu folgen schien. Ihr tiefer Atem verdrängte die eisige Stimme und sog die stummen Vibrationen der einzelnen Figuren in sich auf. Dann trat eine Stille ein. Nicht dieselbe Stille wie der Regen macht, bevor er unvermittelt in den Sonnenschein mündet. Auch nicht dieselbe Stille wie ein Genickbruch bei einem Fallenden verursacht. Vielmehr war es so, als würde nichts in dem Raum es wagen, den Worten der Gestalt zu widersprechen.
    Und dann klopfte es an der Tür. Die Gestalt atmete tief aus. Das Knistern der Kerze übertönte das leichte Ächzen des Holzes, als die Gestalt sich zum Aufstehen darauf stützte. Während sie einen Tropfen in der hohlen Hand fing, welcher sich aus einem Riss in der Decke pellte, öffnete sie mit der anderen die Tür, nickte der Person am anderen Ende knapp zu und schloss sie dann zu einem schmalen Spalt.
    „Dann werden wir also wieder dienen, für den höheren Zweck!“
    Die Gestalt grinste zu der Karte hinüber und sprach wortlose Zeilen in den Raum hinein. Dann trat sie hinaus und schloss die Tür hinter sich und es war als würde der Raum plötzlich von allem Leben erfüllt, den eine karge Kammer hervorbringen konnte.

    Steve schrieb:

    Soweit so gut ... einzig und allein verwirrt mich ein wenig Vorspiel=Prolog?
    :D Danke fürs Feedback. Jaaaa also es ist angedacht bei jeder Chronik ein Vor-Zwischen und Nachspiel zu haben - mit einem Erähler, der die Geschichte, die der Leser bekommt erzählt. Der Prolog ist bereits die Geschichte, da er aber der Beginn einer Geschichte in einer Geschichte ist haben wir uns für das Wort "Prolog" entschieden. Man könnte auch sagen es war mehr ein Vorkapitel als der eigentliche 1. Kapitel ;)
    ~1. Kapitel~

    Aalan und Trillian kamen ins Schwitzen. Obwohl die Mittagssonne kaum im Zenit der Mithlandberge stand, sorgte die innere Unruhe und Hektik der beiden dafür, dass Ihre Hemden von Schweiß durchtränkt waren, noch ehe ein kühles Lüftchen aus dem Norden sie hätte trocknen können.
    „Ich hab es dir gesagt Trill, ich hab es dir mehrfach gesagt!“ Aalan musste grinsen, obwohl seine Worte versuchten, wie stets mit scharfen Ton seinen Freund eines besseren zu belehren. Innerlich wusste er natürlich, dass es nicht Trillians Schuld war, dass sie beide nun zu spät kamen. Natürlich wusste Aalan, dass sie beide zu gleichen Teilen in ein und demselben Schlamassel steckten – verschuldet durch beiderlei Versäumnis. Dennoch genoss es Aalan einfach seinen Freund aufzuziehen. Trillian zuckte mit dem Mundwinkel und zog seine Stirn in Falten, wie er es immer tat. Seine Augenbrauen verengten sich zur Mitte während seine Finger eine obszöne Geste in Richtung von Aalan machten.
    Die beiden Jungs liefen die Hügelstraße entlang, die sie – wohin sollte sie denn auch sonst führen – zur Abtei auf dem Hügel bringen sollte. Natürlich gab es in Marronheim nur zwei wichtige Straßen. Die erste war wichtig für die Händler und das fahrende Volk. Sie führte einmal quer durch die runde Form des kleinen Dorfes, wie ein Durchmesser der den Kreis durchtrennt. Es war die einzige Hauptstraße durch die Fuhrwerk, wie die der Karawanen und Theaterwagen, fahren konnten, wollten sie nicht, einmal falsch abgebogen, mitten in einem der breiten Felder stecken, die sich um Marronheim herum säumten. Vor allem aber war der Transport der kräftigen Marronbäume für das Örtchen von so entscheidender Bedeutung, dass die breite Hauptstraße mit Stämmen zusätzlich verstärkt wurde, um die Lastwagen die schweren Stämme zu jedem Ort in Keadis und ganz Mistar transportieren zu können. Das Marronholz war das Kapital von Marronheim. Zweifelsohne bekam es daher seinen Namen, obwohl einige Biologen gar die Ansicht vertraten, dass es genau anders herum sei, da das seltene Gehölz auf mysteriöse Art und Weise scheinbar nur in dieser Umgebung zu wachsen schien. Ob nun Ort oder Baum zuerst den Boden Keadis bedeckten war reine Spekulation; dass sich Marronheim aber mit dem Abbau dieses seltenen aber kräftigen Holzes einen gewissen Namen nördlich des Gebirges verschaffte, war eine reine Tatsache.
    Die zweite Straße, die für Marronheim selbst entscheidend war, führte auf einen kleinen Hügel nördlich des Dorfes. Sie war weder besonders verstärkt noch durch ein Geländer geschützt. Nein, viel mehr waren es die kleinen Schreine und das bedeutende Ziel am Ende des Pfades, welche für die Bewohner Marronheims noch nahezu wichtiger erschien als die breite Hauptstraße.
    „Havièn!“, schrie Trillian und warf sich ruckartig zu Boden sodass Aalan beinahe über seinen Freund gestürzt wäre. Er brauchte nicht lange, sah sich flink den Schrein am Wegesrand an und warf sich neben seinen Freund zu Boden.
    Eine geflügelte Gestalt in Efeu gekleidet. Ihre offenen Hände tragen die Vielzahl des erschaffenen Lebens zur Schau.
    Stumm murmelten beide die Worte, die sie seit mittlerweile sieben Jahren Tag für Tag verinnerlicht hatten und standen genauso wortlos wieder auf.
    „Du kannst mir doch nicht immer die Schuld an unserem Zuspätkommen geben, Aalan. Selbst Ores glaubt nicht mehr daran, dass du die Unschuld in Person bist!“ Trillians Worte pressten sich gehetzt zwischen seine Zähne, wie Wind der durch zu enge Furchen bläst. Das Tempo, das beide anstreben mussten, ließ einige seiner Worte im Schnaufen untergehen. Aber Ores ließ man nun mal nicht warten.
    „Zum Einen habe ich dir nicht gesagt, du sollst den gesamten Wald nach einem geeigneten Ast absuchen und zum Anderen hat unser weiser Lehrer bisher immer den Anstand gehabt, mich das nicht spüren zu lassen, Trill!“
    Aalan und Trillian sprangen flink über eine Wurzel, die sich durch den staubigen Boden bohrte, ohne den Blick vom jeweils anderen zu nehmen. Nach all den Jahren, die sie tagtäglich zu ihrem Unterricht in der alten Abtei gingen – und meistens sogar unter Zeitdruck hetzten – hatten die Jungs die Strecke auswendig gelernt. Wie in ganz Marronheim veränderte sich auch der schmale Hügelpfad zur Abtei nur in ganz kleinen Schritten.
    „Artiana!“, schrie Trillian erneut unvermittelt, doch diesmal war Aalan noch eher am Boden und drückte seine Stirn in den Staub der Straße. Die einstudierten Worte flossen wie der Atem aus den Lippen der beiden.
    Eine Frau hockend auf einem Stein. Eine Flöte ruht auf ihrem Schoß während sie lächelnd den Wind bemalt.
    „Wie dem auch sei, zu spät kommen wir beide!“, stellte Trillian nüchtern fest und wechselte dann schnell in heiteres Gelächter. Aalan presste seine Lippen aufeinander, konnte dem Drang zum Lachen aber nicht lange standhalten und so liefen beide Jungs den staubigen Weg entlang in heiterem Gebrüll, sodass Ihr Lehrer auf dem Hügel die Ankunft der beiden schon hören musste.
    „Im Endeffekt müssen wir wohl froh sein, dass du keinen Ast gefunden hast und uns auch niemand sah!“ Aalan´s Augen drückten eine Träne der Freude fort, wechselten aber sofort in einen ernsteren Blick. Trillian überspielte dies mit noch lauterem Gelächter obwohl er genau wie sein Freund wusste, dass das Spielen in den Marronwäldern und vor allem das unerlaubte Entfernen von dessen Hölzern eine harte Strafe nach sich ziehen konnte. Natürlich hielt sich kein junger Mensch an dieses Verbot, denn gerade das Unerlaubte machte daraus eine der größten Mutproben überhaupt, aber Tim Weizenknecht hatte sich vor einigen Siebttagen gehörigen Ärger eingehandelt. Der Umstand, dass weder Aalan noch Trillian den jungen Tim seitdem gesehen hatten, führte jedoch nicht dazu, dass beide Ihre Ausflüge in die Wälder vermieden sondern trieb sie nur noch mehr dazu an. Natürlich war der junge Tim Weizenknecht gehörig vermöbelt worden, aber im Gegensatz zu den Schreckensgeschichten, die die beiden Jungs ihren Freunden im Dorf fortwährend erzählten, wurde Tim nur als Strafe für einige Siebttage zu seiner Tante nach Goldlingen geschickt, um ihr dort bei der Marktarbeit zu helfen. Beides wussten die Jungs jedoch nicht, doch schien diese Strafe zumindest dafür zu sorgen, dass Aalan und Trillian ihre Ausflüge in den breiten Marronwäldern, die Marronheim zu fast allen Seiten umspannten, mit gemischten Gefühlen betrachteten.
    „Alisia!“
    Diesmal hatte Aalan den Schrein am Wegesrande vor seinem Freund entdeckt und drückte mit einem gezielten Schritt Trillian nach unten in den Sand der Straße. In einstudierter Genauigkeit drangen erneut die tonlosen Worte aus den Mündern der beiden.
    Die Frau ist nackt, nur ein Säugling in Ihren Armen verdeckt ein Teil ihrer Blöße.
    „Du hast wahrscheinlich Recht, wir geben uns wirklich alle Mühe uns unbeliebt in unserem Dorf zu machen!“, sagte Trillian nachdem sich beide genauso schleunigst aufrafften wie sie zum Beten zu Boden gingen. Aalan schaute seinem Freund entgegen und verdrehte gespielt die Augen.
    „Findest du wirklich? Ich war immer der Meinung jeder im Ort schätzt uns wegen unserer freundlichen Art, Hilfsbereitschaft und vor allem wegen unserer Pünktlichkeit!“ Bei dem letzten Punkt zeigte Aalan auf den Hügel hinauf, der sich neben Ihnen sanft nach oben hob, während beide dem Pfad spiralförmig hinauf folgten. Die Kuppe war bereits zu erkennen, weiße Fahnen folgten dem Atem des Windes und deuteten das baldige Ziel ihrer Reise an. Trillian konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, schluckte dies jedoch sofort wieder herunter, als er dem Finger seines Freundes auf die Spitze des Hügels folgte.
    Selbstverständlich übertrieben die beiden maßlos in der Art und Weise wie ihre Stellung in Marronheim tatsächlich war. Marronheim war ein ruhiger Ort. Es gab keinen Menschen mehr im Dorf oder der näheren Umgebung von Keadis, der Marronheim als etwas anderes kannte, als das, was es war: Ein kleines Örtchen voll friedlicher Bewohner, die ihr Leben nur auf Erhaltung und Unterhaltung des Dorfes verstanden. Entweder man tat etwas direkt für die Bewohner des Ortes oder war Holzfäller und mehrte das Vermögen von Marronheim. In der Goldland-Region gab es die reichsten Städte in ganz Keadis und die große autarke Stadt Abastia hoch im Norden einmal ausgenommen, auf ganz Mistar. Marronheim erwirtschafte vor allem in den Monaten des Herbstes einen Großteil seines Vermögens, musste jedoch nahezu alles davon versteuert an Goldlingen und schlussendlich auch an die keadische Hauptstadt Aluas abgeben. Für Marronheim blieb genug zum Leben und die Bewohner waren zufrieden damit. Die Bewohner des kleinen Ortes vor den Füßen der Mithlandberge genossen Ihre Arbeit und vor allem ihre Ruhe.
    Aalan und Trillian waren dabei ein Teil des Ganzen. Weder verstieß Marronheim jemanden aus seinen eigenen Reihen, noch behandelte es einen Einwohner schlecht. Von Tim Weizenknecht einmal abgesehen wurde schon seit Jahren niemand mehr des Dorfes verwiesen und dies dann auch nur zeitweise. Die beiden Jungs, so lausbübisch sie auch mit ihren 17 Jahren denken mochten, standen bereits fest im Arbeitskreislauf des Ortes. Sie genossen eine Lehre bei angesehenen Meistern des Dorfes und lernten die Weisen des Lebens vom weitgereisten Ores. Geboren in Marronheim, werden sie auch für Marronheim leben und schließlich im hohen glücklichen Alter in den Betten ihres Heimes sterben. So war es immer und so wird es immer sein. Marronheim genießt seinen Frieden und die Bewohner danken es mit der Spanne ihres Lebens.
    „Onar! Iluvién!“ Die beiden Jungs hätten den breiteren Schrein beinahe übersehen. Obwohl sie die Strecke jeden Tag zurück legten, überraschte sie das Bild der beiden Götter, die in einem kleinen Baumhain etwas abseits der Straße zu ihnen blickten immer wieder aufs Neue.
    Sie lag schmachtend auf ihren Knien, die Rose mit beiden Händen dem Reisenden entgegen gestreckt. Er hob mahnend den linken Zeigefinger während auf seiner rechten Hand ein aufgeschlagenes steinernes Buch ruhte.
    Fast zugleich sagten beide ihre erlernten Verse auf und schlossen die Augen. Bei diesem einen Schrein ließen sie ihre Hektik ruhen, kamen dem Schrein um einige Schritte näher und legten, jeweils abwechselnd, ihre Hände auf das Buch, das in Onars Hand lag. Aalan sah seinem Freund fest ins Auge und blickte dann den Hang hinauf, der sich direkt hinter dem Schrein nach oben erhob. Die Kante, die das Plateau an ihrer Spitze umsäumte, lag einige Meter über ihnen. Hätte der Wind günstiger gestanden so hätten die beiden Jungs hören können, wie Ores in diesem Moment seine Schüler begrüßte und den Unterricht einleitete. So jedoch rauschte eine Böe stetig über den Rand des Hügels und hüllte die gesamte Szenerie in ein behagliches Schweigen aus brausendem Wind und raschelnden Blättern.
    „Wieso tun wir das eigentlich Tag für Tag?“, fragte Trillian als sie beide nun schon etwas gemächlicher den Pfad auf den letzten Metern nach oben folgten.
    „Den Göttern zu Ehren natürlich. Um den Acht zu huldigen, die uns und die Welt erschufen, in der wir leben und die wir lieben!“
    Trillian prustete laut los und klopfte Aalan fest auf die Schulter.
    „Ores hätte es nicht besser sagen können!“, rief Trillian beinahe unter lautstarkem Lachen. Dies war, dem gesamten Wind zum Trotz, bestimmt auf dem Hügelplateau zu hören. „Oder vielmehr sind es ja genau seine Worte!“
    Aalan sah seinem Freund fest in die Augen. Entschlossenheit und diese bestimmte Art eines Glaubens in seinem Blick.
    „Ja es sind seine Worte, dennoch sind es auch die unseren. Sag mir nicht, nach all den endlosen Stunden Unterricht in dieser Abtei, scheust du dich davor, das Wissen zu verstehen!“
    „Oh ich verstehe es!“, unterbrach Trillian knapp, „Und ich glaube auch daran. Es ist einfach nur komisch, dass wir nahezu jedes Mal zu spät zur Schule kommen und das nur, weil wir vor jedem Schrein diese Zeremonie abhalten müssen!“
    „Die Verse der Acht!“, gab Aalan kurz zurück, musste aber danach grinsend den Kopf schütteln, was dazu führte, dass nun beide in brüllendes Gelächter verfielen.
    „Gut. Gut. Dann lass uns lieber schnell zum Unterricht kommen!“, sagte er nachdem er sich eine Träne aus dem Auge wischen musste.
    Trillian hob seinen Daumen und zwinkerte seinem Freund zu.
    „Genau, Ores wird schon nicht merken, wenn wir ein einziges Mal unseren Pflichten nicht nachkommen.“
    Yordan, der Gott des Lebens und der Schöpfung stand mit verschränkten Armen auf einem kleinen Podest während verschiedene steinerne Jünger vor ihm zu Knie fielen.
    Die beiden Jungs liefen den Pfad hinauf und auf das hölzerne Tor zu, das sie zur Abtei führte.

    „Ihr habt Yordan vergessen.“
    Ores sah nicht zu den beiden Spätankömmlingen auf und dennoch spürten Aalan und Trillian die mahnenden Blicke ihres Lehrers, die Ihre Augen durchstießen. Trillian riss den Mund weit auf um etwas zu entgegnen, aber er wusste wie sinnlos das war, stattdessen ließ er ihn offen stehen und sah unter weit aufgerissenen Augen seinem Freund entgegen.
    „Wie habt ihr“, begann Aalan und stotterte unter schweren Atemzügen hindurch leise Worte, bevor er sich räusperte.
    Ores blickte den beiden immer noch nicht entgegen, viel mehr ignorierte er die Jungs so sehr, dass beide ernsthaft daran zweifelten, hier vor Ort zu sein. Er ging auf seinem kleinen Podest auf und ab und sah den jungen Menschen, die auf Holzpflöcken vor Ihm saßen entgegen. Frische Luft wehte über den offenen Garten, der direkt am Südende der Abtei lag und durch spärliche Möblierung und einige Anschauungsmaterialien in den warmen Monaten zu einem Unterrichtsraum umfunktioniert wurde. Der alte Mann trug seine hellbraune Tunika weit auf, während der Wind sie ab und an aufwehen ließ. In seiner rechten Hand ruhte der Knauf eines Stabes, der aus den geschwungenen und verknoteten Wurzeln der Marronbäume geschnitzt war und mit reichhaltigen Mustern und Szenen aus den Büchern des Vielta Agentumverziert wurde. Obwohl es für Außenstehende nicht den Anschein hatte – und auch Aalan, Trillian und die restlichen Schüler hinter seinem Rücken ihren Lehrmeister des Öfteren damit aufzogen – diente der Stab Ores nicht als Geh- oder Stützhilfe sondern war vielmehr ein Werkzeug des alten Meisters, für jegliche Lebenslagen. Das dunkle Holz zeichnete einen strengen Kontrast zu den weißen Behängen, die um das Lehrerpodest die Bühne des Geschehens einspannten. Hellstrahlende Laken umsäumte Ores Platz und dienten sowohl als Hintergrund für verschiedene Präsentationen als auch zum Eindämmen der blendenden Mittagssonne. Sein Stab war sein Zeigestock, ein Mittel entfernte Dinge zu erklären, seine Schüler aus der Reserve zu locken und gleichzeitig auch die eine oder andere Rüge zu verteilen. Mit dem elfenbeinfarbenen Knauf, in Form desSilbernen Rades,hatte Ores ein wichtiges Instrument, welches ihm verschiedene Türen auf ganz Inahar eröffnen könnte, mit der eisernen Spitze aus Jinaristahl hatte er notfalls eine Waffe um sich zu verteidigen. In dieser Situation jedoch verließ sich Ores ganz und alleine auf seine Worte.
    „Wie hab ich was? Gewusst das ihr zu spät kommt? Nun eure Unpünktlichkeit hat euch verraten. Oder wie ich gewusst habe, dass ihr Yordan, euren Schöpfergott vergessen habt? Ich bin euer Lehrer und auch ein Vieza, ich weiß einige Dinge und es ist meine Pflicht alles herauszufinden.“
    Aalan und Trillian sahen einander noch ungläubiger an.
    „Und außerdem lacht, gackert und redet ihr beide so laut wie zwei Waschweiber in den Seifenstraßen von Aluas. Die gesamte Klasse hatte davon erfahren und mir sofort ihren Unmut darüber mitgeteilt. Und während wir darüber debattierten, welch göttliche Strafe Yordan wohl für euch beide auserkoren hat, stürmt ihr hier herein und stört erneut. Ich hoffe nur ihr habt eine sehr gute Entschuldigung parat.“
    Aalan und Trillian gingen einige Schritte dichter an das Podest ihres Lehrers, wobei sie reumütig durch die Reihen ihrer Mitschüler schritten. Einige tuschelten, anderen sahen die beiden nur mit schüttelnden Köpfen an, die meisten jedoch schienen keine Notiz von ihnen zu nehmen und widmeten sich weiter anderen Dingen.
    „Also“, fing Trillian leise mit brüchiger Stimme an, nachdem er und Aalan einige Atemzüge direkt vor dem Podest stehen blieben und den Kopf so tief zur Erde hängen ließen, dass man denken könnte, sie würden ihnen beiden jeden Moment von den Schultern fallen. Es war eine gefühlte Ewigkeit, die die beiden Jungs mit verstohlenen Blicken verbrachten, stets in der Hoffnung, der andere würde das Wort ergreifen. Unzählige Male standen sie schon vor ihrem Lehrmeister in derselben Pose, unzählige Male wechselten sich die beiden ab, wer nun vor Ores und der gesamten Klasse die Entschuldigung auftischen würde. In der Gruppe, die gespannt hinter ihnen auf ihren Holzstämmen saß, kursierten bereits inoffizielle Wetten, welche Geschichte die beiden nun heute entwickelten.
    „Wir waren auf dem Weg zur Abtei und wunderten uns bereits wie zeitig wir heute zum Unterricht erscheinen würden.“, sagte Trillian nun etwas lauter. Bereits die ersten Worte ließen die Mitschüler aufstöhnen und Ores verdrehte amüsiert die Augen, verkniff sich aber eine Bemerkung.
    „Doch ganz ehrlich.“, fuhr Trillian fort, drehte sich zu den jungen Menschen hinter ihm um und breitete seine Arme aus. Aalan wollte tief in Scham versinken. Sein Freund hatte diese Eigenart nach endlosen Lügengeschichten sich irgendwann dermaßen hineinzusteigern, dass er selber daran zu glauben schien. Zumindest klang seine Stimme heute wieder derart überzeugt, dass jeder Versuch Aalans, Trillian zu stoppen, vergebens sein würde.
    „Wir gingen frohen Mutes auf direktem Wege der Hügelstraße entgegen und fragten uns beide über den Stammbaum Acherons aus – weil wir ja wussten, dass dies heute abgefragt wird – da hörten wir auf einmal ein monströses Schnaufen aus den Marronwäldern.“ Die Mitschüler grinsten breit und tuschelten miteinander während Ores keine Regung zeigte. Nur Aalan´s Gesicht gewann eine komplett neue und ungesunde rote Farbe und es war fast zu spüren, wie die Scham seinen Körper einnahm.
    „Wir dachten uns natürlich: Dem müssen wir nachgehen. Man erzählt sich ja allerhand Geschichten von Kreaturen, die unser Wäldchen bewohnen und keine von diesen wäre unserem schönen Dorf bekömmlich. Wir sahen es also als unsere Pflicht an, unser Marronheim vor jeder Gefahr zu schützen, auch wenn wir dafür unseren wichtigen und geliebten Unterricht säumen mussten.“
    Aalan zischte leise zu seinem Freund herüber. Nur nicht so dick auftragen, Trill.Er hörte das anschwellende Gelächter hinter ihm und wagte nicht den Blick zu seinem Lehrer zu heben. Der Gedanke wie Ores seinen Stab bereits über ihnen erhob, die hellbraune Tunika wie vom Sturm gepeitscht umher wehte und ein feuriger Zorn in seinen Augen stand, der dafür sorgte, dass Yordan sie selbst für ihren Frevel strafen würde, kam ihm vor Augen.
    „Natürlich wussten wir, wie aussichtslos die Lage für uns beide war und dass wir die Marronwälder niemals betreten durften. Doch es war weit und breit niemand zu sehen und irgendjemand musste einfach etwas unternehmen. So hatten wir keine Wahl als diese wichtige Regel zu brechen.“
    Trillian kam immer mehr in Fahrt. Mit einem Sprung setzte er auf dem Podest auf und stellte sich neben Ores, die Hände zu Fäusten geballt und drohend in den Himmel erhoben.
    „Im Schatten der großen Hölzer erschien nach wenigen Schritten bereits ein rotglühendes Paar Augen und heißer Atem schwang uns entgegen. Schleunigst suchten Aalan und ich den Wald nach einem kräftigen herabgefallenen Ast ab, schließlich wollten wir selbst angesichts dieser drohenden Gefahr keinen der stolzen Bäume verletzten.“
    Zu viel Trill. Es wird zu viel!
    „Und dann plötzlich brach dieses Ungetüm durch das Gehölz, fällte einige der ältesten Bäume, wie kleine Streichhölzer und griff uns an. Es war ein Drachling. Doch ganz bestimmt. Wir schlugen mit unseren Ästen nach dieser Ausgeburt des Dämonenreiches, doch Aalan konnte nicht lange stand halten und sank erschöpft oder verwundet zu Boden. Ich musste etwas unternehmen und meinem Freund beistehen und so bohrte ich meine Waffe tief in die Augenhöhle des beschuppten Wesens. Ein gellendes Geschrei fuhr mir durchs Mark als schwarzes Blut aus dem Kopf des Monsters sprudelte und der Drachling sich in die dunklen Tiefen des Waldes verkroch. Schnell lief ich zu Aalan und rüttelte ihn wach. Benommen kam er langsam wieder zu Kräften und rappelte sich auf.“
    Nun brüllten alle Mitschüler in vereinter Kraft lauthals los, klopften sich auf Ihre Schenkel oder die Schulter des Nebenmannes und Aalan versank in tiefer Scham.
    „Während der Atem des Monsters immer flacher wurde und das knackende Holz unter seinen Bewegungen immer leiser klang, meinte ich zu hören wie er leise unsere Namen rief. Bedrohlich. Finster. Eindeutig und klar.“
    Trillian senkte seinen Kopf und ließ seine Stimme leise abklingen. Dann stand er da, wie ein Schauspieler vor seinem Publikum und genoss den Applaus, der tosenden Menge die in Gelächter und Beifall über ihn hinwegschwemmte. Aalan indes wünschte, er hätte sich auf dem Weg nach oben ein Bein gebrochen und somit eine plausiblere Entschuldigung hervorbringen können, oder vielmehr diese Peinlichkeit nicht ertragen müssen.
    „Wir liefen danach so schnell wir konnten zu euch, Meister Ores, um euch davon zu berichten. Und natürlich hielten wir an jedem Schrein unserer Götter und sagten die Verse der Acht. Wir brachten Onar sogar die besondere Zuwendung, die euch so teuer und wichtig ist, dennoch war unsere Hektik zu groß sodass wir den großen Schöpfer, später unsere Ehre bezeugen wollten, denn Yordan weiß stets um die Gunst seiner Anhänger.“
    Trillian blickte zu Ores hinüber und übte sich in dem schuldbewusstesten Blick, den er aufbringen konnte.
    „Eine gigantische Geschichte, Trillian Himmelsturm.“, unterbrach Ores die ausgelassene Stimmung seiner Schüler und klatschte, zu der Verwunderung aller, ebenfalls langsam in seine Hände während seine Augen gütig auf Trillian blickten.
    „Aber Haccus hatte dem Drachling kein Auge ausgestochen sondern seine Fäuste in die Kehle des Monsters gejagt. Und außerdem würde nicht einmal einer der großen Ritter des alten abastianischen Reiches es wagen, einen Ast aus den Marronwäldern zu missbrauchen, schon gar nicht für solch eine peinliche Entschuldigung.“, Ores Miene verfinsterte sich schlagartig und er packte seinen Stab fester am elfenbeinfarbenen Knauf, während er langsam näher an Trillian herantrat.
    „Und es war nicht das Auslassen von Yordans Schrein, dessen Entschuldigung ich hadere. Denn wie du sagtest weiß unser Schöpfer, wie sehr wir ihn stetig verehren. Es war auch nicht unbedingt euer zu spätes Erscheinen. Denn dessen habe ich mich mittlerweile abgefunden sodass ich mit meinem Unterricht auch immer einige Minuten warte. Nein meine beiden Jungs...“ Ores ließ seinen Stab hoch in die Luft fahren und schwang ihn dann im weiten Bogen nach unten. Aalan und Trillian sahen sich schon grün und blau geschlagen. Auch wenn Ores dies bisher nie tat und sich beide auch sicher waren, er würde dies niemals tun, waren beide für diesen Moment bereit ihre Gedanken umzuändern.
    „Ihr habt Sonnest und Roussa vergessen und diese beiden lassen sich längst nicht so einfach übergehen.“ Der Stab schlug mit der eisernen Spitze auf den Boden ein und Ores wirbelte ihn erneut einmal um seine Achse mit der Geschwindigkeit, die weit jenseits seiner Jahre lag. Dann zeigte der elfenbeinfarbene Knauf auf die großen Statuen, die links und rechts des Podestes standen und die weißen Laken hielten als würden sie ein weites Segel spannen. Aalan schlug sich seine Hand gegen den Kopf und nickte. Trillian verlor die Stimme und verließ mit gesenktem Haupt die Bühne. Dann murmelten beide ihre stummen Verse, während sie zu ihren Plätzen marschierten.
    Ein zarter, gelockter Knabe, der seine Arme zu einer großen Umarmung ausstreckt und ein Hüne von Mann, im Gesicht mit Narben übersät, in der einen Hand ein Schwert und in der anderen einen Krug Wein haltend.

    Zaadii schrieb:

    Huch - wird daraus dann ein Video?
    Nee das wird dann doch etwas zuuuu aufwendig für einen Film. (Zumindest vorerst ;) ) Die Lust am Schreiben habe ich schon etwas länger und probiere mich da gerne aus. Herausgekommen ist/bzw wird dann ein Roman den ich gerne lesen möchte - wer kennt es nicht: man sitzt vor einem Buch und sagt sich: "Das hätte ich nu aber anders gemacht" und das ist dann eben mein Antrieb. Ich strebe dabei keine Perfektion an aber unterhalten soll es eben dann schon. Und das nötige Feedback erhoffe ich mir dann im Kreise derer, deren Meinung ich sehr schätze: Dieses Forum! :)
    ~2. Kapitel~
    -Marronheim, Abtei von Ores-

    Nachdem sich das Publikum beruhigt hatte konnte Ores mit seinem Unterricht beginnen. Der alte Vieza war einer der letzten seiner Art. Obwohl der Glaube noch weit verbreitet ist in Mistar und auch in anderen Teilen von Inahar, scheint sich mittlerweile in der Bevölkerung eine Art Entsagung durchzuziehen. Die Menschen beginnen den Wundern einen wissenschaftlichen Sinn zu geben. Wo zuvor noch Havièn die Tiere nach Yordans Vorwerk erschuf, sind heute biologische Prozesse für ihre Entwicklung verantwortlich. Als Vieza der alten Schule musste Ores sich einst entscheiden. Sein abenteuerliches Leben weiter führen und spüren wie die Menschheit einem ihm fremden Pfad folgte oder aber den Menschen das alte, wahre Wissen wieder entdecken lassen. In Marronheim konnte man ihn am ehesten als Priester bezeichnen, obwohl dies ein gelehrter Vieza natürlich nicht gerne hörte. Ein Holzfäller schuf schließlich auch keine Bögen. Er versteht sich mit allen Arten des Holzes und weiß es zu schlagen. Um daraus einen filigranen Bogen, die Waffe eines Wächters oder Jägers zu fertigen, fehlt ihm aber das Wissen und Geschick. Gleichwohl kann ein Bogner aus einem Stück Holz die gefährlichsten Geschosse herstellen, wäre an einer Säge aber so unbedarft wie ein kleiner Junge. Dennoch gefiel sich Ores in seiner Rolle. Er lehrte das wahre Wesen desVielta Agentums und segnete die Menschen um ihr Selbstvertrauen zu stärken. Er führte Hochzeiten durch und Kinder in diese Welt. Und den Heranwachsenden wie Aalan und Trillian erteilte er Unterricht in allen möglichen Gebieten während sie nicht Ihrer Ausbildung nachgingen.
    „Nun meine Kinder, so können wir nun endlich beginnen. Eine erneute Begrüßung erspare ich mir aus naheliegenden Gründen und möchte ohne Umschweife den heutigen Unterricht einleiten.“ Ores war die Ruhe selbst und ging mit gefalteten Händen auf dem Podest auf und ab, wobei sein Blick jeden seiner Jünglinge mindestens einmal genau streifte und er tief in deren Augen sah. Blickkontakt war genauso wichtig wie die genaue Betonung der einzelnen Worte. Ores wusste, dass nicht jedes seiner Themen immer genau das Interesse seiner Zuhörer weckte, auch wenn er selber jedes Einzelne für extrem wichtig ersah. Um seine Schüler bei Laune zu halten, musste er bisweilen auf merkwürdige Lernmethoden zurückgreifen, Verse und Gedichte mit lautem Singsang vortragen, Geschichten und Legenden, atmosphärisch begleitet, mit epochaler Stimme aufsagen. Nicht selten verlegte er seinen Unterricht in die späten Abendstunden, um die Heldenerzählungen rund um Haccus und Belerian, den beiden größten Rittern Ihrer Zeit oder Tragödien wie denen der Drei Brüder oder aber Laslow, dem Dichter, ein richtiges Gefühl mitzugeben. Dies sorgte mitunter für heiteres Gelächter unter den Schülern, aber auch dafür, dass ihr Lehrer für sie mehr als nur dies war, sondern auch ein Freund und Vertrauter.
    Der alte Vieza hob seinen Atem und setzte zum Sprechen an. Sofort brach er ab, kniff seinen Augen zusammen und legte den Kopf schräg gen Himmel gerichtet.
    „Wo waren wir gestern stehen geblieben?“
    Er sagte es mehr zu sich selber als zu seinen Schülern, doch ein offenes Fenster zu seiner Rechten trug seine Worte hinaus in den Garten. Durch die weißen Laken, die ringsum den Freiluftraum gespannt waren, wirkte das Äußere Areal wie ein hell durchfluteter Raum im Inneren der Abtei.
    „Ihr erzähltet uns gestern über den großen Bruderkrieg lange vor unserer Zeit. Wie Abas, Keade und Acheron sich im Streit trennten und schließlich Krieg im Namen ihrer Mutter gegeneinander führten.“
    Es war Neria, das junge Mädchen, welches auf einem Holzstamm links neben Trillian saß. Die jüngste Tochter des Bürgermeisters war stets mit großer Begeisterung am Unterricht dabei und war eine der wenigen, die während der Ausschweifungen von Ores sogar Notizen machte. Man könnte meinen, es läge jungen Mädchen im Blut, Wissen begeisterter in sich aufzusaugen als es Jungen tun würden, doch Aalan befand immer, dass Neria es einfacher hatte dem Unterricht zu folgen, hatte sie doch als Bürgermeisterkind keine Ausbildung, die ihren Kopf ohnehin belasten würde. Trillian war, zumindest in Anbetracht dieser jungen Schönheit, nicht ganz so hart mit seinem Urteil.
    „Ah, der große Bruderkrieg, das Ereignis, das Mistar in seine drei Reiche teilte. Herrlich...“
    Ores lächelte und schnippte mit den Fingern als wäre ihm der Gedanke gerade eben gekommen.
    „Und ihr solltet mir gewiss sagen, was ihr für Einzelheiten über den Krieg erfahren habt, oder?“ Es klang weniger nach einer Frage sondern eher nach einer Feststellung, die er mit einem Nicken selber beantwortet.
    „Eigentlich wolltet ihr uns erst wesentlich später davon berichten. Wir hatten gestern mit dem Stammbaum von Acheron, dem ältesten Bruder begonnen und ihr wolltet uns testen wie weit wir ihn verinnerlicht hatten.“
    Aalan verdrehte die Augen und ließ den Kopf langsam auf den Tisch sinken. Das hatte er vollkommen vergessen. Gestern war er direkt nach dem Unterricht zur Arbeit in die Taverne gegangen. Er und Trillian hatten sich vorgenommen, dass heute bei ihrem Ausflug in die Marronwälder einmal durchzusprechen, aber die Suche nach einem Souvenir aus der verbotenen Zone hatte beide komplett alles vergessen lassen. Da schoss Aalan jedoch ein, was Trillian während seiner Entschuldigung sagte. Er wusste noch was zu heute ihre Aufgabe war. Er blickte langsam zu seinem Freund herüber. Trill zuckte die Achseln und grinste ein wenig verlegen.
    „Ach genau. Acheron der Ältere, Herr von Darsalia und dem später entstandenen Reich Ächeton. Nun denn Neria ich merke du bist aufs Beste vorbereitet und so wäre es doch nur recht und billig wenn“ Ores nickte der Tochter des Bürgermeisters anerkennend zu und blickte dann suchend über die Runde von Schülern, die geduldig, zu weilen auch ängstlich von ihren schmalen Holzstämmen zu ihm hinaufblickten. „Aalan uns an seinem Wissen über den Herren des südlichen Landes teilhaben lässt.“
    Es war wie ein Tritt in die Magengrube und Aalan versank nun gänzlich mit seinem Kopf zwischen seinen Schultern.
    „Also Acheron, ja?“, begann er vorsichtig und ließ die Frage ein wenig zu lange im Raum hängen. Ores nickte ihm freundlich zu und bedeutete mit seinem Stab, dass der Junge sich erheben sollte.
    „Also nachdem Acheron wieder nach Hause kam, hatte er eine Frau. Die war die schönste Frau jenseits des Gebirges und“
    „Die Blume von Aturia. Fahre fort!“, unterbrach ihn Ores milde und lächelte freundlich.
    „Genau. Die Blume. Und mit dieser zeugte er drei Kinder. Fela, die schöne Tochter. Die wegen Ihrer Schönheit und Lustvorstellung die beiden Herzöge von“
    Aalan schnippte mit dem Finger als lägen ihm die Namen auf der Zunge.
    „Fahre fort!“, sagte Ores abermals lächelnd und drehte seinen Stab in seiner Hand.
    „Nun als dann gab es noch die beiden Söhne. Alchewon der braune Bär, Herr der Sandlegion und“
    „Wer kann helfen?“ Ores löste seinen gütigen Blick von Aalan und konnte so kaum sehen wie ein schwerer Stein von dessen Schultern genommen wurde. Erleichtert atmete der Junge aus.
    „Trillian komm hilf deinem Freund. Er ist wahrscheinlich noch ganz angeschlagen von eurer Schlacht mit dem Drachling.“ Aus Ores Mund klang dies nicht belustigt oder ironisch, nein hätte nicht jeder gewusst, wie erlogen die Geschichte war, hätte man es seiner Stimme nicht entnehmen können.
    „Natürlich. Der Bruder von Alchewon war selbstverständlich Achetan, Hofmagister seines Vaters und großer Magier an der Akademie der Winde am Südkap.“
    „Falsch, fahre fort!“, unterbrach Ores grinsend.
    Trillian blickte verdutzt und unsicher. Er hatte gestern nach seiner Schicht in der Schmiede zusammen mit Neria den Stammbaum rauf und runter gesprochen. Er war sich sicher, dass er dabei keinen Fehler gemacht hatte.
    „Also dann kamen die Zwillinge Lancos und Landad, die beide dem Schoß verschiedener Mütter am selben Tage entsprangen und ihrem Vater Alchewon in der Legion dienten.“
    „Falsch, fahre fort!“, unterbrach Ores erneut und lächelte.
    „Das kann nicht euer Ernst sein.“, sagte Trillian vorsichtig und wechselte ein kurzen Blick mit Neria die ebenso verständnislos neben ihm saß und ihm zu nickte.
    „Du hast die Essenz des ganzen nicht verstanden mein Junge, aber versuche es ruhig weiter.“
    Trillian schluckte seine Unsicherheit herunter und atmete ruhig durch.
    „Okay, also Achetan hatte keine Nachkommen. Einige sagten er wäre zu seltsam gewesen um eine Frau für sich zu gewinnen, andere er habe durch die Magie, die er wirkte, die Fähigkeit verloren Kinder zu zeugen.“
    „Falsch, fahre fort.“
    Trillians Unsicherheit wuchs allmählich zu einer unbeherrschten Form der Wut an, die einem Jungen seines Alters nur allzu häufig begleitet.
    „Nein ist es nicht. Ihr habt uns gestern gesagt, dass Achetan kinderlos blieb. Neria und ich haben gestern stundenlang geübt und das sind genau die Worte, die ihr benutzt hattet und sie sich notierte.“
    Ores nickte bedächtig und tat so als dachte er tatsächlich über die Worte von Trillian nach. Aalan indes versuchte seinen Ärger herunter zu schlucken, dass Trill und Neria gestern den Abend miteinander verbrachten um zu lernen und er heute unvorbereitet vor Ores treten musste.
    „Das ist auch richtig. Aber es geht doch nicht darum was die Geschichtsbücher schreiben oder ich euch sage. Es geht um die Rolle der Menschen in der Welt.“
    Auf einmal sahen alle Schüler mit aufgerissenen erstaunten Augen zu ihrem Lehrmeister hinauf, der sein Lächeln nun etwas schmälerte. Jeder wäre in diesem Test unvorbereitet gewesen.
    „Natürlich war Achetan der Hofmagier von Acheron und blieb zuletzt kinderlos. Sicherlich war Alchewon Heerführer der Sandlegion und nahm seine beiden Söhne bei sich auf. Aber ist das die Essenz ihres Lebens? Die beiden Söhne von Acheron waren auch noch etwas anderes als Magier und Krieger. Sie waren die Söhne von Acheron.“
    Nun verstand niemand mehr und Trillian krallte sich mit seinem Fingern in seinem Hosenbein fest.
    „Sie trugen das Erbe ihres Vaters in sich, noch dazu die männliche Nachkommenschaft eines Menschen, der Mistar in Krieg stürzte und seine eigenen Brüder bekämpfte. Die Rolle der beiden war mit ihrer Geburt vorherbestimmt und sie folgten ihr mit bestem Gewissen. Sie hätten nicht Magier und Krieger im Land ihres Vaters sein müssen. Sie hätte auch Händler werden können oder Reisende, Ärzte oder Schmiede. Nein sie gefielen sich in der Rolle, die ihr Vater ihnen vermacht hatte und verwendeten die Essenz ihres Lebens um etwas Eigenes zu schaffen. Der Herr über einen Selbst ist immer man selbst. Aber bitte Trillian, versuche es erneut.“
    Trillian war zu verdutzt um sofort der Bitte nachzukommen. Dann nickte er leicht benommen und sprach weiter.
    „Fela schlussendlich hatte zwei Söhne. Jeweils einen von den beiden Herzögen.“
    „Das ist nun aber wirklich falsch.“, unterbrach Ores erneut und sein Lächeln verschwand nun gänzlich.
    „Fela hatte unzählige Kinder von unzähligen Herzögen. Sie hätte Sängerin werden können oder eine begabte Kräutersammlerin. Stattdessen wurde sie zur Dirne des Adels. Nicht nur die beiden Ländereien der Herzöge Festus und Ratio fielen wegen dem Streit um ihre Schönheit ihrem Vater in die Hände.“
    Ores ging aufgeregt das Podest auf und ab und blickte jedem seiner Schüler so fest ins Auge, wie er es bei der Begrüßung schon tat.
    „Versteht ihr also, dass es einen Unterschied zwischen einem Leben und seiner Rolle im Leben gibt? Wie man lebt kann von vielen Faktoren beeinflusst werden. Bei den Kindern von Acheron war es der Vater. Bei Wölfen ist es der Instinkt. Aber wir sind schlauer als unsere Vorfahren und die Tiere. Wir haben immer die Möglichkeit unser Leben zu bestimmen. Wir selbst können entscheiden welchem Pfad wir folgen möchten und wie wir diesen entwickeln. Manch einer nimmt einen Umweg, ein anderer steht vor einer Abzweigung und einige, wie unsere geschätzten Vorfahren, enden in einer Sackgasse. Aber die Möglichkeit ist da. Und deshalb möchte ich, dass ihr euch dessen bewusst werdet und selber herausfindet, was eure Rolle im Leben ist.“
    Ores schüttelte den Kopf als wäre alles sinnlos gewesen. Er war nicht sauer auf seine Schüler, aber er wusste, wie heikel dieses Thema werden würde, wenn er erst einmal in Fahrt kam. Mit dem Schütteln seiner Hand entließ er die Kinder früher als geplant aus dem Unterricht.
    Nachdem seine Schüler fort waren, schloss Ores die Augen und drehte sich zu den beiden Statuen von Roussa, dem Reisenden und Sonnest, dem Freund um.
    „Ich hoffe ich mache alles richtig.“, seufzte der alte Vieza und stützte sich auf seinen Stab.
    Ist wieder sehr, sehr gut!:)

    Ich mag den Charakter Ores- ur gut gelungen!:)
    Ich finde auch Deinen Schreibstil sehr gut, es ist nicht schwer zu lesen, liest sich flüssig- trotzdem ist es in sehr schönen Worten erzählt.

    Ich muss gestehen, ich schreibe auch an einem Fantasy- Buch (peinliches outing)- allerdings schon ewig und ganz anderer Stil denk ich (würde das nie so hinbekommen^^) vor allem deutlich weiblicher un dbei weitem nicht so gut!

    Finde man liest bei DIr sehr dutlich, dass es ein Mann geschrieben hat. Finde ich jedenfalls. Finde das immer lustig wenn man Bücher von weibl. und männl. Autoren vergleicht- zB. bei Maze Runner und Panem, eigentlich sehr ähnliche Story bzw Thematik, trotzdem merkt man sofort, welches Buch von einer Frau ist^^.

    Jedenfalls gefällt mir Dein Buch bis jetzt richtg, richtig gut!:) Ich würde es auch definitiv als gebundene Printausgabe kaufen:) und ich lese zwar wirklich unglaublich viel- aber mir gefallen bei weiten nicht alle Geschichten so gut:)
Exit